
Bei der Erneuerung muss der alte Reisepass der Verwaltung zurückgegeben werden. Dieser rechtliche Rahmen, der oft von den Mitarbeitern am Schalter missverstanden wird, verbietet es nicht ausdrücklich, den alten Reisepass in Frankreich zu behalten. Er regelt eine Rückgabe, die in bestimmten Fällen von der Rückgabe des ungültigen Dokuments an den Inhaber gefolgt wird.
Obligatorische Rückgabe bedeutet nicht Zerstörung des Reisepasses
Die Verwirrung ist häufig, auch unter den Mitarbeitern von Rathaus und Konsulat. Die Vorschriften verlangen die Rückgabe des alten Reisepasses bei der Abholung des neuen Dokuments. Die Verwaltung nimmt das Dokument zurück, macht es ungültig (Durchstich, Abschneiden einer Ecke, Stempel der Annullierung) und kann es dann an den Inhaber zurückgeben.
Dieser zweistufige Mechanismus ist der Schlüssel. Die Rückgabe an die Verwaltung ist eine gesetzliche Verpflichtung. Die Rückgabe des ungültigen Reisepasses an den Antragsteller ist eine Möglichkeit, die von einer ausdrücklichen Anfrage zum Zeitpunkt der Abholung abhängt.
Ein Zeugnis, das auf der Plattform Services Publics + veröffentlicht wurde, veranschaulicht das Problem: Ein Nutzer des Konsulats in Kopenhagen wurde die Aufbewahrung seines alten Reisepasses verweigert. Der Mitarbeiter behauptete, die Rückgabe sei “seit 20 Jahren zwingend”. Bei einer früheren Erneuerung hatte ihm jedoch eine erfahrenere Mitarbeiterin das Dokument nach der Annullierung zurückgegeben.
Die Frage, ob man seinen alten Reisepass in Frankreich behalten kann, hängt also stark von der korrekten Anwendung des Textes durch den für die Abholung zuständigen Mitarbeiter ab.

Ungültiger Reisepass: die technischen Bedingungen für die Aufbewahrung
Der Reisepass gehört dem französischen Staat, nicht seinem Inhaber. Dieses rechtliche Prinzip begründet die Rückgabepflicht. Der Staat bleibt Eigentümer des Dokuments, selbst nach Ablauf seiner Gültigkeit.
Damit die Rückgabe an den Inhaber möglich ist, muss der Reisepass physisch unwiderruflich ungültig gemacht werden. Es werden drei Methoden angewendet:
- Durchstich, der die Umschlagseite und die Innenseiten durchdringt und den elektronischen Chip unbrauchbar macht
- Abschneiden einer Ecke des Reisepasses, die gängigste Technik im Rathaus
- Anbringung eines Stempels “ANNULIERT” auf der Seite mit den persönlichen Daten, manchmal in Kombination mit einem Durchstich
Einmal nach einer dieser Methoden ungültig gemacht, hat das Dokument keinen Identitätswert mehr. Es kann weder zur Überquerung einer Grenze noch zur Identitätsnachweis gegenüber Dritten verwendet werden. Der Kampf gegen Identitätsdiebstahl rechtfertigt diese Strenge: Ein abgelaufener, aber physisch intakter Reisepass könnte als Grundlage für eine Fälschung dienen.
Noch gültige Visa auf einem alten Reisepass: die Falle der vorzeitigen Erneuerung
Der sensibelste Fall betrifft Inhaber, deren alter Reisepass mehrfache, noch gültige Visa enthält. Ein amerikanisches B1/B2-Visum, ein chinesisches Visum oder ein indisches Visum können eine längere Gültigkeitsdauer haben als der Reisepass selbst.
Viele Länder akzeptieren Reisen mit zwei Reisepässen: dem neuen (gültigen) und dem alten (ungültigen), der das aktuelle Visum enthält. Diese Praxis, die in den USA und in mehreren asiatischen Ländern üblich ist, ist nicht universell. Einige Konsulate verlangen die Übertragung des Visums auf den neuen Reisepass, gegen Gebühr und mit Wartezeiten.
Die systematische Rückgabe ohne Rückgabe des ungültigen Dokuments beraubt die Nutzer nicht nur ihrer Erinnerungen, sondern auch ihrer Nachweise für Ein- und Ausreisen aus dem Hoheitsgebiet. Diese Nachweise können im Rahmen eines Antrags auf ausländische Staatsbürgerschaft oder eines Familienzusammenführungsantrags erforderlich sein.
Praktische Empfehlung für Visa
Die Anfrage zur Aufbewahrung schriftlich zu formulieren, idealerweise vor dem Abholtermin, stärkt das Anliegen. Die Erwähnung gültiger Visa untermauert die Legitimität der Anfrage. Kein Text erlaubt es dem Mitarbeiter, die Rückgabe eines korrekt ungültig gemachten Reisepasses abzulehnen, wenn der Inhaber dies beantragt.

Verwaltungsstreitigkeiten und Zwangsrückgabe: die aktuellen Rechtsmittel
Der Staatsrat hat am 10. August 2026 (Nr. 518520) eine Entscheidung getroffen, die den gewohnten rechtlichen Rahmen erweitert. Ein Antragsteller stellte nicht nur die Nicht-Rückgabe seines alten Reisepasses in Frage, sondern forderte den Richter auf, entweder die Rückgabe und Aktualisierung seines Reisepasses und seines Personalausweises anzuordnen oder die Ausstellung vorläufiger Ausweisdokumente unter Androhung von Zwang.
Diese rechtliche Entwicklung geht über die emotionale Frage hinaus. In Situationen, die mit einer Anfechtung der Staatsbürgerschaft oder der Gültigkeit von Dokumenten verbunden sind, geht es nicht mehr darum, eine Reiseerinnerung zu behalten. Es geht darum, ein nutzbares Dokument zu erhalten, selbst vorläufig, wenn der bestehende Reisepass weder reaktiviert noch zurückgegeben werden kann.
Wann den Verwaltungsrichter anrufen
Der Rechtsweg vor dem Verwaltungsgericht ist hauptsächlich in zwei Fällen gerechtfertigt:
- Weigerung, einen neuen Reisepass auszustellen, während der alte ohne Ersatz zurückgezogen wurde
- Weigerung, den ungültigen Reisepass trotz einer ausdrücklichen Anfrage zurückzugeben, wenn das Dokument notwendige Nachweise für ein laufendes Verfahren enthält (Einbürgerung, Grenzstreit, Nachweis des Wohnsitzes)
- Unmöglichkeit, während eines Rechtsstreits über die Staatsbürgerschaft ein vorläufiges Dokument zu erhalten
Das Thema bleibt politisch aktiv. Das Innenministerium hat seine Doktrin nicht geändert, aber der parlamentarische Druck und die gerichtlichen Rechtsmittel könnten die Praxis verändern.
Die Vorschriften wurden seit ihrer Veröffentlichung nicht geändert. Der Handlungsspielraum bleibt beim Mitarbeiter am Schalter, der die Möglichkeit der Rückgabe des ungültigen Dokuments anwendet oder nicht. Die ausdrückliche Formulierung der Anfrage, wenn möglich schriftlich, sowie die Erwähnung konkreter Gründe für die Aufbewahrung (gültige Visa, Aufenthaltsnachweise, laufendes Verwaltungsverfahren) bleibt die zuverlässigsten Methode, um seinen alten Reisepass zurückzubekommen.